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Erfüllte Patenschaft

Hamburg und Thüringen tauschen sich aus

Lange schon standen gemeinsame Konzerte mit anderen Landesverbänden des DTKV auf der Wunschliste der Hamburger Sektion. Geboren wurde diese Idee bereits zu Zeiten der Wende, als sich der Vereinigungsgedanke auch in den Verbandsstrukturen durchzusetzen begann.

Das enge Verhältnis des Hamburger Landesverbands mit Thüringen nahm hier seinen Anfang – und zwar in einem Gespräch der beiden Vorsitzenden, Detlev Sassmannshausen und Claudia Schwarze-Nolte.

Inzwischen ist aus der Patenschaft von einst ein reger Austausch erwachsen, der nun in zwei Konzerten gipfeln soll. Am 3. Juli fand im Altonaer Museum in Hamburg der erste Abend statt; für den 10. Oktober ist in Ilmenau das Austauschkonzert geplant.

Ein weiter Bogen entspann sich an diesem Abend, quer durch die Musikgeschichte; das überaus reiche Programm schloß Werke der Spätromantik ebenso ein wie Stücke zeitgenössischer Komponisten. Drei junge Ensembles verliehen dem Konzert besonderen Reiz: die Klangwerkstatt Weimar, mit Klaus Wegener (Klarinette), Christoph Ritter (Klavier) und Christina Meißner (Cello); das Duo »Akkortarre«, zu dem sich Kitty und Ingo Hamisch (Gitarre und Akkordeon) zusammengeschlossen haben; und nicht zuletzt die Kasseler Gruppierung »i cellistini«, die den Abend klangvoll mit Julius Klengels »Hymnus« für 12 Cellisten eröffneten und ihn mit südlichen Klängen von Enrique Francini, Mariano Mores und Villa-Lobos auch beschlossen. Hier wie dort bewiesen die jugendlichen Cellisten unter Leitung von Claudia Schwarze hervorragende Spiel- und Ensemblekultur.

Ähnliches gilt für die Musiker der Klangwerkstatt, die ihre Hörer in makellosen Interpretationen mit Werken von Isang Yun (»Rencontre«) und dessen Schüler Toshio Hosokawa (»Vertical Time Study I«) konfrontierten.

Dem subtilen Dialog zwischen den musikalischen Kulturen, der sich in Yuns Stück – und stärker noch bei Hosokawa – entspinnt, spürte das Ensemble mit Feingefühl nach, und exemplarisch gelang es den Musikern dabei, in die gleichsam meditativen Sphären dieser genuin asiatischen Musiksprache einzudringen. Hosokawa, dessen Oper »Vision of Lear« bei der Münchner Biennale ihre umjubelte Uraufführung erlebte, zählt ohne Frage – das bewies dieses Stück – zu den anregensdsten Komponisten der jüngeren Generation.

In Jana Obrovskas »Trittych« nahm sich schließlich die rare Kombination von Gitarre und Akkordeon nicht minder reizvoll aus, und Ingo Hamisch bewies in Sophia Gubaidulinas »Et expecto« auch als Solist tiefe Musikalität und den weiten Atem, den das Stück verlangt. Nach diesem Abend liegen die Erwartungen für das Oktober-Konzert hoch – eine Fortsetzung der Begegnungen erschien allen Beteiligten wünschenswert.

Christian Wildhagen

Abschrift aus: Neue Musikzeitung, Ausgabe 9/98